Kimble aka Kim Schmitz: Mit Megaupload wieder im Geschäft – News – gulli.com

Kimble aka Kim Schmitz: Mit Megaupload wieder im Geschäft

Still war es in letzter Zeit um eine der schillernden Gestalten der ersten Dotcomblase geworden: Kim Schmitz aka Kimble, selbsternannter Hacker und Lebemann, Gründer unter anderem von Dataprotect und der „Young Intelligent Hackers against Terror“ wurde 2002 in Thailand verhaftet und verurteilt. Mit „Trendax“ will Schmitz inzwischen an der Börse Geld verdienen, nebenbei betreibt er jedoch einen der größten 1Click-Hoster weltweit: megaupload.com.

Vor Jahren war „Kimble“ um große Töne selten verlegen, entsprechend überrascht sein jetziges stilles Vorgehen. Die Hackingfähigkeiten des selbsternannten Uberhackers wurden oft genug in Zweifel gezogen, sein Talent zur Selbstinszenierung stand dagegen selten in Frage. Groß geworden im Securitybereich pflegte Kimble in den Hochzeiten des Dotcomwahns einen offen zur Schau getragenen Millionärslifestyle. „Kimpire“ nannte er seinen Unternehmensverband, mit „Kimvestor“ wurden Geldgeber für seine Projekte gesucht, quasi nebenbei versuchte sich Schmitz auch als Terroristenjäger: die „Young Intelligent Hackers against Terror“ (YIHAT) sollten nach dem 11. September Terrorstrukturen im Netz aufspüren, Schmitz selbst behauptete, 10 Millionen Dollar für die Ergreifung Osama Bin Ladens bieten zu können.

Während seine Geldgeschäfte am neuen Markt offenbar funktionierten, war es um die „Hackerlegende“ ärmer bestellt. Angebliche Hacks der NASA und des Pentagons, deren sich Kimble rühmte, waren Enten, auch die 20 Millionen, die er nach einem Citibank-Hack an Greenpeace überwiesen haben wollte, stellten sich als heiße Luft heraus. Der Selbstinszenierung als Unternehmer- und Hackergenie tat das keinen Abbruch. Der traurige Höhepunkt: Kimble-Geniesperma für eine Million Dollar, zu bestellen beim Meister höchstpersönlich.

Während wegen Insiderdeals in Deutschland gegen ihn ermittelt wurde, trat Kimble die Flucht nach Thailand an – auch diese mit großen Tönen. „Der Star unter den deutschen Jungunternehmern hat Deutschland satt.“ Anfang 2002 wurde er in Bangkok verhaftet. Im anschließenden Verfahren in Deutschland wird Kimble wegen Insidergeschäften und Kapitalanlagebetrug zu 20 Monaten auf Bewährung und 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Über Insidergeschäfte mit Aktien der Firma Letsbuyit.com habe Kimble 1.192.751 Euro und 20 Cent ergaunert.

Aufstieg und Fall Kim Schmitz‘ dokumentierte Torsten Kleinz ausführlich – nach 2002 hörte die Geschichte vorerst auf, seitdem war von Kimble selten zu hören.

Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Kimble ist wieder im Ausland – in Hong Kong, um genau zu sein – und tönt nicht nur leiser als in seinen alten Tagen, sondern bietet gar Geld, wenn man ihn verschweigt: Im Gegenzug fürs Stillschweigen über Megaupload bot Kimble gulli.com einen Werbedeal an – für megaupload.com, mit Alexarank 15 eine der bestbesuchten Seiten im Netz, wenn man den Alexa-Zahlen trauen darf. Megaupload wird betrieben von Kimble selbst.

Eine „Monkey Ltd“ in Hong Kong ist offizielle Betreiberin des Filehosters, Gerüchte kursierten jedoch bereits seit einiger Zeit, dass Kimble dahinter stecken könnte. gulli.com ging der Geschichte nach und wurde fündig: Versuchte man Werbeplätze auf dem Erotik-Ableger von Megaupload.com, Megarotic.com zu buchen, stieß man auf den Registrant Kimpire Ltd., megaupload.com, Kim Schmitz. Kimble bestätigte daraufhin, dass er megaupload.com betreibt – beziehungsweise betreiben läßt, denn er kümmere sich vorwiegend um sein Trendax-Projekt, das zu einer auf künstlicher Intelligenz basierenden Technik zum Aktienhandel werden soll.

Groß denken ist demnach immer noch Kimbles herausragendes Talent. Neben Megaupload und megarotic.com ist seit einiger Zeit ein weiterer Ableger am Start: megavideo.com, mit keinem geringeren Ziel als YouTube abzuschaffen. „Megavideo is aiming to replace YouTube as the leader in online video. Megavideo was built by the same people who brought you Megaupload.com.“ so das selbstbewusste Mission Statement des Videohosters. Ebenso großspurig und widersprüchlich die beiden anderen Hosting-Portale: Sowohl Megaupload als auch Megarotic seien jeweils „der beliebteste Online-Storage- und Dateiübertragungsdienst im Netz.“

Schmitz ist demnach – nach wie vor – offenbar gut im Geschäft. Und hat es inzwischen geschafft, dasselbe zu betreiben, ohne viel Lärm zu machen. Was man der schillernden Figur Kimble lange Zeit kaum zutrauen wollte. Immerhin bewegt er sich inzwischen wieder in lukrativen Geschäftsbereichen – für den Megaupload-Hauptkonkurrenten Rapidshare wird beispielsweise ein Umsatz von 5 Millionen Euro im Monat vermutet.

Wer sich ein Bild vom damaligen Kimperium machen will, ist auf die Wayback Machine angewiesen. Auf Seiten wie kimble.org, kill.net oder kimpire.com ist aktuell kein Content mehr zu finden, einige Domains wurden via robots.txt aus dem Archiv ausgeschlossen. Einen Eindruck machen kann man sich immerhin noch auf einigen Unterseiten von kill.net.

via Kimble aka Kim Schmitz: Mit Megaupload wieder im Geschäft – News – gulli.com.

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