MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung? – t3n News

MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung?

Zwar ist das kürzlich vom Netz genommene MegaUpload einer der größten One-Click-Filehoster gewesen, aber letztlich war es nur ein Dienst von vielen, um (auch) illegale Dateien zu sharen. Warum aber wurde nur MegaUpload und nicht auch andere Dienste mit nahezu identischem Funktionsumfang vom Netz genommen? Netzwertig-Autor Martin Weigert hat diesbezüglich auf seinem privaten Blog eine interessante These aufgestellt.

MegaUpload als Opfer der Musikindustrie

Weigert stellt in seinem Beitrag die Theorie auf, dass der beliebte Filehoster nicht zwingend oder ausschließlich wegen illegal angebotener Inhalte geschlossen wurde. Ein weiterer Grund für die Verhaftung der Betreiber Kim Schmitz und Co. sieht Weigert darin, dass sie mit namhaften Musikern Deals geschlossen haben, um ein alternatives Vertriebsmodell für Musik ins Leben zu rufen, das parallel zu klassischen Musiklabels aufgebaut werden sollte.

Betrachtet man die Ereignisse in ihrem chronologischen Verlauf seit Dezember letzten Jahres bis zum Zugriff des FBI, macht Weigerts Vermutung durchaus Sinn:

Im Dezember letzten Jahres wurde von MegaUpload ein Muskvideo veröffentlicht, in dem namhafte Musiker und Schauspieler wie Will.i.am, P Diddy, Kanye West, Chris Brown, Jamie Foxx und viele weitere den Filehoster bewarben. Das Video wurde basierend auf dem umstrittenen Digital Millenium Copyright Act durch Universal Music entfernt. Allerdings hatte der Musikkonzern keine Rechte an dem Clip, sodass es eine Gegenklage von MegaUpload gab. Das Video ist allem Anschein nach auch wieder freigegeben:

Kurz vor Weihnachten präsentierte MegaUpload eine Beta seines eigenen Musik-Streaming-Dienstes MegaBox. Der Dienst bot einen Speicher für die eigene Musik, sowie einen Download-Store. Als Partner für den Dienst konnten namhafte Unternehmen wie 7digital, Gracenote, Rovi, und Amazon MP3 gewonnen werden. Als herber Schlag gegen die Musikindustrie kann jedoch ein weiterer Bestandteil von MegaBox betrachtet werden: Denn für Künstler wird ein Do-It-Yourself-Service bereitgestellt, mit dem sie ihre Musik direkt anbieten können, ohne die Musiklabel als Zwischenhändler zu nutzen. Von den Musik-Verkäufen über MegaBox hätten die Musiker 90 Prozent in die eigene Tasche stecken können – ein Deal, der mit den großen Musiklabels nicht möglich gewesen wäre. Parallel zum Verkaufsmodell sollte Musik sogar kostenlos zum Download angeboten und Musiker trotzdem für ihre Werke bezahlt werden. Das Modell wurde laut Schmitz mit einer Million Usern getestet und erwies sich als erfolgreich – den Umsatz zur Bezahlung der Künstler hätte man durch Werbung eingespielt. Für Musikkonzerne wäre eine direkte Kooperation zwischen MegaUpload und Musikern natürlich ein Dorn im Auge gewesen, denn sie hätten keinen Cent von den Einnahmen gesehen. Vor dem offiziellen Launch des Dienstes schlug kurioserweise das FBI zu, die klassischen Musik-Vertriebskanäle waren gesichert. Purer Zufall?

MegaUpload-Ende: Reine Spekulation und Verschwörungstheorie?

Ob Weigerts Theorie den Tatsachen entspricht, werden wir womöglich nie erfahren. Dass MegaUpload mit diesem neuen Musik-Dienst die Musikindustrie gehörig ins Wanken hätte bringen können, ist indes nicht sehr weit hergeholt. Angesichts der Größe des beliebten One-Click-Hosters mit monatlichen Zugriffszahlen von bis zu einer Milliarde Visits pro Monat und der Unterstützung vieler namhafter Künstler hätte Kim Schmitz mit seinen Kollegen eine spannende Alternative auf die Beine stellen können. Allein der Kostenlos-Charakter des Dienstes wäre der reinste Usermagnet gewesen.

MegaBox wird es aber in naher Zukunft nicht geben. Kim Schmitz und seine Kollegen sind wegen massiver Verletzung des Urheberrechts und anderer Vergehen verhaftet worden und werden vermutlich für einige Jahre außer Gefecht gesetzt sein.

via MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung? » t3n News.

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Nach Megaupload-Razzia: Die Hydra ist verstört – taz.de

Nach Megaupload-Razzia

Die Hydra ist verstört

Nach der Schließung von Megaupload und der Festnahme von Kim Schmitz verstümmeln sich andere Tauschbörsen – in vorauseilendem Gehorsam.

Ja, es ist Panik: Fieberhaft bauen One-Klick-Hoster ihre Dienste um, beschränken dessen Funktionen und Austauschmöglichkeiten. Vorauseilender Gehorsam – um dem Schicksal zu entgehen, das Megaupload und seinen Betreiber Kim Schmitz ereilte: Der Dienst wurde vom Netz genommen und sein Macher landete in Haft.

Seitdem versuchen viele Konkurrenzdienste jeglichen Verdacht, sie würden zum illegalen Datentausch animieren, zu zerstreuen. In der Hoffnung, sie mögen dem langen Arm der US-Ermittlungsbehörden entgehen.

Interessant für die Unterhaltungsindustrie. Denn mit freundlicher Unterstützung der US-Ermittler hat sie offenbar jetzt endlich ein Kraut gegen das internationale Datenverteilungshandwerk im Netz gefunden: Strafverfolgung quer über den Globus.

Juristisch und politisch war die Urheberrechtslobby mit ihrem Anti-Piraterie-Kreuzzug weitgehend glücklos: 2008 schafften sie zwar, dass die Jungs von der Bittorrent-Seite Pirate Bay vor Gericht verurteilt wurden – lieferten ihnen aber eine Bühne, um den Hollywood-Mächtigen auf der Nase herumzutanzen. Und neue Anti-Piraterie-Abkommen und -Gesetze durchzupeitschen war gar nicht so stressfrei: Gab es doch stets ein paar Netzaktivisten, die sofort Gegenwehr mobilisierten.

Bislang galt die Filesharing-Szene als Hydra: Egal wie viele Dienste Behörden dicht machten, es wuchsen immer neue nach. Doch nun haben die Unterhaltungsindustriellen einen Teilerfolg: Megaupload, einer der dicksten Köpfe der Hydra, liegt zuckend am Boden – und die anderen ducken sich erst mal.

via Nach Megaupload-Razzia: Die Hydra ist verstört – taz.de.

Anonymous: Unwissende für Hackerangriff instrumentalisiert – NETZWELT

Reaktion auf Megaupload-Abschaltung

Anonymous: Unwissende für Hackerangriff instrumentalisiert

Als Reaktion auf die Schließung des Filesharing-Portals Megaupload und im Zuge des Internetprotests gegen SOPA und PIPA startete die Hackergruppe Anonymous die bisher größte Denial-of-Service-Attacke ihrer Geschichte. Viele Nutzer sollen jedoch unwissentlich an der Aktion teilgenommen haben, denn die Hacktivisten verwendeten eine Methode, die auch Unbeteiligte für ihre Zwecke instrumentalisierte.

Anonymous Attacke richtet sich nicht nur gegen die Abschaltung von Megaupload, sondern auch gegen die Gesetzentwürfe von SOPA und PIPA. (Bild: Screenshot/AnonOps)

Anonymous Attacke richtet sich nicht nur gegen die Abschaltung von Megaupload, sondern auch gegen die Gesetzentwürfe von SOPA und PIPA. (Bild: Screenshot/AnonOps)

Auf dem Blog AnonOps sind alle Ziele der Denial-of-Service-Attacke gelistet. Bei diesen Angriffen werden so viele Anfragen an Server gesendet, bis diese zusammenbrechen und die betreffenden Webseiten nicht mehr erreichbar sind.

Zu den kurzfristig nicht erreichbaren Seiten gehörten US-amerikanische Behörden genauso wie die französische Behörde für Urheberrechtsschutz HADOPI. Ebenso standen führende Unternehmen der Musikindustrie wie Universal Music und die Motion Picture Association of America auf dem Zettel der Hacktivisten.

Neue Methode

Diesmal griff das Kollektiv jedoch zu einer ungewöhnlichen Methode, um die Angriffe zum Erfolg zu führen. Abgesehen von der typischen Vorgehensweise der Anonymous-Unterstützer Low Orbit Ion Canon (LOIC)-Software herunterzuladen, mit deren Hilfe Computer eine bestimmte Webseite wiederholt anfragen, veröffentliche die Gruppe auch Links zu speziell modifizierten Webseiten im Netz.

Wie das Online-Magazin Cnet.com berichtet, enthielten die betreffenden Seiten Java Script, das die Seitenanfrage des Besuchers automatisch an eine der Zielwebseiten umleitete. Die Anfrage wird dabei so lange wiederholt gesendet, bis der Nutzer die Java-Script-Seite wieder schließt.

Unwissend beteiligt

In den Sozialen Netzwerken wurden die Links allerdings ohne einen Hinweis auf ihre eigentliche Intention veröffentlicht, wodurch zahlreiche Unwissende in Facebook, Twitter und vergleichbaren Sozialen Netzwerken sich unabsichtlich an der Attacke auf die Webseiten beteiligten.

Dem Online-Magazin zufolge müssen sich Nutzer, die sich unfreiwillig an der Attacke, ausgelöst durch die Schließung von Megaupload und den Protesten gegen SOPA und PIPA, beteiligten, jedoch keine Angst davor haben, das demnächst Polizeibeamte vor der Tür stehen könnten. Es sei schwierig, eine Intention hinter einem Klick auf einen der betreffenden Links zu beweisen.

via Anonymous: Unwissende für Hackerangriff instrumentalisiert – NETZWELT.

MegaUpload-Shutdown: War der geplante MegaBox-Musikdienst schuld? – tomshardware.de

MegaUpload-Shutdown: War der geplante MegaBox-Musikdienst schuld?

Um die Abschaltung von MegaUpload baut sich eine neue Verschwörungstheorie auf.

ZoomVorgestern kam das Gerücht auf, das der Schlag gegen MegaUpload jetzt und auf Drängen der Musikindustrie erfolgte, weil die MegaUpload-Gruppe kurz vor dem Start eines neuen Musikdienstes namens MegaBox stand. Über MegaBox sollten Künstler ihre Werke kostenlos zum Download anbieten können und dann über sekundäre Einnahmen – beispielsweise Online-Werbung – von MegaUpload entschädigt werden.

Angesichts der Größe von MegaUpload – zum Zeitpunkt seiner Abschaltung mit mehr als einer Milliarde Besuchern pro Monat die Nummer 13 auf der Liste der weltweit größten Webseiten und auf mehr als 1.000 Servern gehostet – hätte sich ein solches Unterfangen zu einer ernsthaften Bedrohung für die Musikindustrie entwickeln können. Aber wie gesagt: Das Ganze ist ein Stand jetzt ein Gerücht und keine Tatsache.

Aber trotzdem: Die Spekulation, dass die Musikindustrie das FBI gerade noch rechtzeitig vor dem Launch einer neuen Plattform, die durchaus das Potenzial zu einem unbequemen iTunes-Konkurrenten hätte, davon überzeugen konnte, gegen MegaUpload vorzugehen, scheint nicht völlig abwegig zu sein. Stellt euch doch mal einen Service vor, der 50 Millionen Anwender pro Tag anzieht und kostenlos Musik verteilt, während die Künstler selbst glücklich sind und vielleicht sogar noch mehr Geld einstreichen (gerüchteweise ist von 90 Prozent der Erlöse die Rede) als bei klassischen Distributionsmodellen. Plötzlich braucht man keine Publisher mehr, Motivation auf deren Seite gäbe es also zur Genüge.

Gab es also eine Verschwörung im Hintergrund und Absprachen in verräucherten Hinterzimmern von Country Clubs? Wir wissen es nicht, aber völlig unglaubwürdig klingt das Ganze nicht.

Tatsache ist, dass MegaUpload und sein Geld stolz zur Schau stellender Gründer Kim Dotcom (geborener Kim Schmitz) wegen Massen-Piraterie vor den Kadi kommen. Und diesmal ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Dotcom nicht wie 2002 und 2003 mit einem Klaps auf die Finger (beide mal auf Bewährung freigelassen) davonkommt, als er wegen Insider-Trading und Unterschlagung angeklagt wurde.

via MegaUpload-Shutdown: War der geplante MegaBox-Musikdienst schuld?.

Die Geschichte eines Millionen-Blenders

Die Geschichte eines Millionen-Blenders

 Große Pose – so stellte sich Schmitz Ende der 90er Jahre dar
Große Pose – so stellte sich Schmitz Ende der 90er-Jahre dar
Von GABI EISENRIEDER

Plötzlich war er wieder da, kaum zu übersehen, gut 180 Kilo schwer, millionenschwer. Kim Schmitz war 2002 aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, und erst als die Fotos der Festnahme des Megaupload-Gründers in Neuseeland um die Welt gingen, dachte man sich: Den kennen wir doch. Wirklich?

Was Kim Schmitz‘ Leben angeht, gibt es viele Geschichten und viele Pseudonyme – Kimble, Kim Dotcom, Kim Tim Jim Vestor – bei denen nur er allein weiß, was oder wer wirklich dahinter steckt. Vielleicht weiß er es nicht einmal mehr selbst, so oft wand sich der Riese mit dem Bubi-Gesicht aus der Bredouille, nur um sich mit neuer Identität und alter Gerissenheit gleich in die nächste zu stürzen. Aktuell drohen ihm in den USA 20 Jahre Haft wegen Urheberrechtsverletzungen.

175 Millionen Dollar sollen er und seine Partner mit der Filesharing-Plattform Megaupload verdient haben, mit Musik, Kinofilmen, Serien – mit der geistigen Leistung anderer, wie ihm vorgeworfen wird. Er stellte nur die Webseite, warb Promis wie Kanye West und Alicia Keys an und kassierte. Es war immer schon sein Talent, an den Talenten anderer zu verdienen.

„Ich habe nie einen asozialeren Jugendlichen kennengelernt“, erzählt ein ehemaliger Pädagoge des in Kiel geborenen Schmitz den „Kieler Nachrichten“. „Kim war ein Anstifter und Blender, der die Mitschüler oft zu Streichen überredet und dann verpetzt hat.“

In einem Schülerheim für Verhaltensauffällige soll der Sohn eines Kapitäns und einer Köchin zwei Jahre gelebt haben. In seiner offiziellen Vita macht er daraus ein Hochbegabten-Abitur am Internatsgymnasium Schloss Plön, so die Zeitung.

Kim Schmitz 1999 mit 26 Jahren

Foto: ddp

So sah Kim Schmitz sich selbst und tut es wohl bis heute: als verkanntes Genie. Der Intellekt reichte nur zum Hauptschulabschluss, die Bauernschläue und der Ehrgeiz aber sind viel größer und gebären den brennenden Wunsch: Euch werde ich es zeigen. Ende der 80er-Jahre wendet Schmitz sich Computern zu, verbringt Tage vor dem Gerät im Kinderzimmer. Angeblich im Alter von neun manipuliert er zum ersten Mal den Kopierschutz für ein Computerspiel und verkauft die Raubkopien. Das Geschäftsprinzip des Kim Schmitz ist erfunden.

Mitte der 90er tippen Schmitz und seine Freunde nächtelang Codes, die andere nicht verstehen. Das Internet ist den meisten noch kein Begriff, da lässt er es schon in Teilen nach seinen Regeln spielen.

Kimble, wie er sich in der Welt der Daten nennt, hackt den Server der Citibank und überweist 20 Millionen Euro auf die Konten von Greenpeace. So zumindest erzählt er es laut Welt.de. In der Hacker-Szene wird er dafür gefeiert, am meisten von sich selbst: „Ich bin klüger als Bill Gates“, glaubt Schmitz.

So klug, dass die Polizei ihn als Sicherheitsrisiko einschätzt und 1994 seine Wohnung stürmt. Er kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Danach kann er sich die Jobs als IT-Sicherheitsberater offenbar aussuchen. Hier könnte die Geschichte von Kimble zu Ende sein, eine Hacker-Karriere in eine lukrative Festanstellung aufgehen und Kim Schmitz im Mittelmaß verschwinden. Aber Mittelmaß ist nichts für ihn, immer noch muss er es allen zeigen.

Das Internet hebt ab und mit ihm Schmitz‘ Vermögen, er muss nur richtig investieren. 500 Millionen Dollar hat er nach eigenen Angaben verdient, und er wird nicht müde, es zu zeigen, dafür macht er es ja. Er gibt Dutzende Bilder von sich an die Presse, am liebsten mit schwarzer Sonnenbrille, vor Helikoptern, Jachten, in den Armen schöner Frauen, die er einfliegen lässt. Bohlen-Ex und „Teppichluder“ Janina Youssefian ist darunter, gern steigt Schmitz mit den Damen in den Whirlpool, der Koloss meist voll, die Mädchen immer leicht bekleidet. Überallhin wird er eingeladen, um zu erzählen, wie man mit diesem Internet so absurd viel Geld verdient.

Kim Dotcom und Janina Youssefian

Die Methode ist offenbar Betrug. Ein Beispiel: Schmitz hatte 2001 der finanziell angeschlagenen Plattform letsbuyit.com eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro versprochen und damit den größten Tagesumsatz in der Geschichte der Frankfurter Börse ausgelöst. Schnell verkauft er seine Anteile wieder für Rekordsummen, das Investment kommt nie zustande, der Kurs stürzt wieder ab. Insiderhandel nennt die Staatsanwaltschaft so etwas.

Kim Dotcom und Janina Youssefian

Dafür verfolgt sie ihn 2002 bis nach Bangkok, er wird verhaftet. Vorher hatte er angekündigt, live im Internet Selbstmord zu begehen. Die Erfolgsgeschichte des Kim Schmitz scheint tatsächlich zu Ende sein, er bekommt ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung und muss eine Geldstrafe von 100 000 Euro bezahlen. Danach verschwindet er aus der Öffentlichkeit.

Kim Schmitz mit Janina Youssefian

Bis zum 19. Januar 2012, als er und drei Mitarbeiter zwei Tage vor seinem 39. Geburtstag im 19-Millionen-Euro-Anwesen im neuseeländischen Coatesville festgenommen werden. Es gibt dort sechs Schlafzimmer, einen Helikopter und mittlerweile angeblich auch eine Ehefrau und Kinder. Außerdem einen so genannten Panic Room, ein gesicherter Raum, in den sich der Riese flüchtet und mit der Schrotflinte auf die Polizei wartet.

via Bild.de

Kim Schmitz: Komplizen kommen auf Kaution frei – Bild.de

Kim Schmitz‘ Komplizen kommen auf freien Fuß

Kim Schmitz (re.) und seine Komplizen Bram van der Kolk, Finn Batato und Mathias Ortmann (von links). Van der Kolk und Batato sollen auf Kaution frei kommen, der Antrag von Ortmann wird noch geprüft

Aus Auckland berichten KAI FELDHAUS und HOJABR RIAHI (Fotos)

Auckland – Es wird einsam um Internet-Schwergewicht Kim Schmitz (38): Erst ließ ihn Star-Anwalt Robert Bennett (72) fallen, jetzt erlaubte ein neuseeländisches Gericht die Haftentlassung von zwei Komplizen des 150-Kilo-Millionärs gegen Kaution.

Marketingleiter Finn Batato und Chefprogrammierer Bram van der Kolk dürfen die Untersuchungshaft verlassen, sobald die Polizei ihre Kautionsadressen überprüft hat. Dann schmort nur noch „Megaupload“-Mitgründer Mathias Ortmann (40) zusammen mit Schmitz hinter Gittern. Ob auch er gegen Kaution raus darf, wird noch geprüft.

Emotionale Szenen außerhalb des Gerichtsgebäudes: „Jetzt kann Bram endlich wieder mit seinem Baby spielen“, sagte van der Kolks Frau. „Ich bin so erleichtert.“

Die drei Kinder von Kim Schmitz und seine schwangere Ehefrau müssen hingegen womöglich noch lange Zeit auf ihren „Mr. Dotcom“ verzichten. Sollte er in die USA ausgeliefert und dort verurteilt werden, drohen ihm bis zu 20 Jahre Knast.

Die US-Behörden gehen in ihrer 72 Seiten langen Anklageschrift von einer halben Milliarde Dollar Schaden aus, die Schmitz‘ und Co. verursachten. Sie sollen irrsinnig viel Speicherplatz bei verschiedenen Internetprovidern gemietet haben: 25 Millionen Gigabyte allein bei Carpathia Hosting im US-Bundesstaat Virginia. Die gemieteten Server waren voll mit Raubkopien.

Mit der Datentauschplattform „Megaupload“ verdiente der Ex-Hacker Millionen, führte ein Leben wie ein Scheich. Mit dem Helikopter flog er zum Frühstück, zu seinem Fuhrpark gehörten 15 Mercedes Benz, ein pinkfarbener Cadillac, ein Maserati und ein Lamborghini.

Die Nachbarn werden immer wieder Zeugen von Schmitz‘ skurrilem Humor – auch noch nach seiner Verhaftung: Gestern tauchte auf dem Rasen seines Anwesen plötzlich ein russischer Panzer auf!

Der skurrile Humor der Familie Schmitz: Im Garten der Villa tauchte gestern plötzlich ein russischer Panzer auf. Aufblasbar und aus Gummi. Ein Scherz zum Kindergeburtstag

Greift Schmitz‘ Privatarmee von tätowierten Bodyguards, die nach der Verhaftung ihres Chefs die Stellung halten und Schmitz‘ Familie beschützen, jetzt zu drastischen Mitteln?

Erst bei näherem Hinsehen entpuppte sich der täuschend echte T72-Kampfpanzer als Attrappe: aufblasbar und aus Gummi. Wie so vieles in Schmitz‘ Leben bloß ein Bluff.

„Das Ding sieht schon verdammt echt aus“, sagt Nachbar Michael Collett zu BILD. „Gestern war er noch nicht da. Ich habe mich schon gewundert, wie Hunderte Polizisten bei einer Razzia so ein Riesenteil übersehen können.“

An der Einfahrt zum „Dotcom Mansion“ treffen die BILD-Reporter den Sicherheitschef des Anwesens. Er erklärt den geschmacklosen Scherz: „Wir haben den Geburtstag von einem von Kims Kindern gefeiert. Wir hatten zwei Hüpfburgen und den Aufblas-Panzer. Die Kinder lieben ihn.“

Eine nähere Inspektion des Kriegsspielzeugs durch die Reporter will der bullige Mann dann aber doch nicht zulassen: „Kein Zutritt für Unbefugte.“ Nur einen Lieferwagen der Firma „Party Pieces“ lässt er passieren – er holt die makaberen Überreste des Kindergeburtstages ab.

Dass Schmitz zumindest vorerst nicht zurück in seine Luxus-Villa darf, hat der schillernde Internet-Unternehmer auch seinen Geschäftspartnern Ortmann (40) und van der Kolk (29) zu verdanken.

Per Skype unterhielten sich die beiden 2007 über Schmitz. Das FBI schnitt die Konversation mit. Van der Kolk: „Wenn’s ernst wird, kratzt Kim doch sofort alles Geld zusammen und taucht unter. Das kann er gut…“

Unter anderem wegen dieser Worte kommt Schmitz nun nicht auf Kaution frei: Fluchtgefahr!

Für Schmitz heißt es deswegen Knast-Kost statt Extravaganzen, keine ausgelassenen Partys mehr und vor allem Computerentzug. Das ist besonders ärgerlich für den spieleversessenen Multi-Millionär. Bei seiner Verhaftung belegte er in der Weltrangliste des Online-Shooters „Call of Duty: Modern Warfare 3“ noch Platz 1. Doch wegen seiner erzwungenen Abwesenheit vom Monitor wurde er mittlerweile vom Thron gestoßen.

via Kim Schmitz: Komplizen kommen auf Kaution frei – News Ausland – Bild.de.

Kim Schmitz: Wollte er mit Megaupload an die Börse? – handelszeitung.ch

Waren ihnen die Millionen nicht genug? Die verhafteten Hintermänner des Filesharing-Hosters Megaupload.com liebäugelten sogar mit einem Gang an die Börse.

Planten sie das ganz grosse Ding? Der deutsche Megaupload-Gründer Kim Schmitz und seine Mitstreiter verdienten mit dem Filesharing-Dienst Millionen. Doch offenbar machten sie sich sogar ernsthaft Gedanken über einen Börsengang von Megaupload. Dies erfuhr «Handelszeitung Online» von einer Quelle, die das Umfeld der Megaupload-Gruppe bestens kennt.

Die Person, welche für dieses Unterfangen angefragt wurde, war bereits im Umfeld der Schweizer Intelligent Media AG anzutreffen. In jener Zuger Firma arbeiteten in der Vergangenheit etliche Megaupload-Hauptpersonen.

Verurteilt wegen Insiderhandels

Kim Schmitz hatte mit Börsengeschäften 2001 seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht: Damals versprach er, dem angeschlagenen Unternehmen Letsbuyit.com unter die Arme zu greifen. Das Geld sollte über seine Risikokapitalgesellschaft Kimvestor AG fliessen.

Das gross angekündigte Investment kam nie zustande. Doch der Aktienkurs von Letsbuyit.com schnellte schon am Tag vor Bekanntgabe der vermeintlichen Kimvestor-Finanzierung in die Höhe. Schnell stand der Verdacht im Raum, dass Schmitz Insiderhandel betrieb.

Der Verdacht wurde Gewissheit: Schmitz hatte durch sein Insiderwissen etwa 1 Million Euro Gewinn erzielt. Ende Mai 2002 wurde er dafür zu einer Geldstrafe von 100’000 Euro verurteilt und bekam 1 Jahr und 8 Monate Gefängnis.

Vermuteter Schaden: 500 Millionen Dollar

Den Hintermännern des Filesharing-Dienstes Megaupload wirft die US-Justiz nun vor, das Verteilen von massenhaft Raubkopien begünstigt zu haben. Der Schaden soll 500 Millionen Dollar betragen, die Gewinne ab 2005 mindestens 175 Millionen Dollar.

via Kim Schmitz: Wollte er mit Megaupload an die Börse? | handelszeitung.ch.