MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung? – t3n News

MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung?

Zwar ist das kürzlich vom Netz genommene MegaUpload einer der größten One-Click-Filehoster gewesen, aber letztlich war es nur ein Dienst von vielen, um (auch) illegale Dateien zu sharen. Warum aber wurde nur MegaUpload und nicht auch andere Dienste mit nahezu identischem Funktionsumfang vom Netz genommen? Netzwertig-Autor Martin Weigert hat diesbezüglich auf seinem privaten Blog eine interessante These aufgestellt.

MegaUpload als Opfer der Musikindustrie

Weigert stellt in seinem Beitrag die Theorie auf, dass der beliebte Filehoster nicht zwingend oder ausschließlich wegen illegal angebotener Inhalte geschlossen wurde. Ein weiterer Grund für die Verhaftung der Betreiber Kim Schmitz und Co. sieht Weigert darin, dass sie mit namhaften Musikern Deals geschlossen haben, um ein alternatives Vertriebsmodell für Musik ins Leben zu rufen, das parallel zu klassischen Musiklabels aufgebaut werden sollte.

Betrachtet man die Ereignisse in ihrem chronologischen Verlauf seit Dezember letzten Jahres bis zum Zugriff des FBI, macht Weigerts Vermutung durchaus Sinn:

Im Dezember letzten Jahres wurde von MegaUpload ein Muskvideo veröffentlicht, in dem namhafte Musiker und Schauspieler wie Will.i.am, P Diddy, Kanye West, Chris Brown, Jamie Foxx und viele weitere den Filehoster bewarben. Das Video wurde basierend auf dem umstrittenen Digital Millenium Copyright Act durch Universal Music entfernt. Allerdings hatte der Musikkonzern keine Rechte an dem Clip, sodass es eine Gegenklage von MegaUpload gab. Das Video ist allem Anschein nach auch wieder freigegeben:

Kurz vor Weihnachten präsentierte MegaUpload eine Beta seines eigenen Musik-Streaming-Dienstes MegaBox. Der Dienst bot einen Speicher für die eigene Musik, sowie einen Download-Store. Als Partner für den Dienst konnten namhafte Unternehmen wie 7digital, Gracenote, Rovi, und Amazon MP3 gewonnen werden. Als herber Schlag gegen die Musikindustrie kann jedoch ein weiterer Bestandteil von MegaBox betrachtet werden: Denn für Künstler wird ein Do-It-Yourself-Service bereitgestellt, mit dem sie ihre Musik direkt anbieten können, ohne die Musiklabel als Zwischenhändler zu nutzen. Von den Musik-Verkäufen über MegaBox hätten die Musiker 90 Prozent in die eigene Tasche stecken können – ein Deal, der mit den großen Musiklabels nicht möglich gewesen wäre. Parallel zum Verkaufsmodell sollte Musik sogar kostenlos zum Download angeboten und Musiker trotzdem für ihre Werke bezahlt werden. Das Modell wurde laut Schmitz mit einer Million Usern getestet und erwies sich als erfolgreich – den Umsatz zur Bezahlung der Künstler hätte man durch Werbung eingespielt. Für Musikkonzerne wäre eine direkte Kooperation zwischen MegaUpload und Musikern natürlich ein Dorn im Auge gewesen, denn sie hätten keinen Cent von den Einnahmen gesehen. Vor dem offiziellen Launch des Dienstes schlug kurioserweise das FBI zu, die klassischen Musik-Vertriebskanäle waren gesichert. Purer Zufall?

MegaUpload-Ende: Reine Spekulation und Verschwörungstheorie?

Ob Weigerts Theorie den Tatsachen entspricht, werden wir womöglich nie erfahren. Dass MegaUpload mit diesem neuen Musik-Dienst die Musikindustrie gehörig ins Wanken hätte bringen können, ist indes nicht sehr weit hergeholt. Angesichts der Größe des beliebten One-Click-Hosters mit monatlichen Zugriffszahlen von bis zu einer Milliarde Visits pro Monat und der Unterstützung vieler namhafter Künstler hätte Kim Schmitz mit seinen Kollegen eine spannende Alternative auf die Beine stellen können. Allein der Kostenlos-Charakter des Dienstes wäre der reinste Usermagnet gewesen.

MegaBox wird es aber in naher Zukunft nicht geben. Kim Schmitz und seine Kollegen sind wegen massiver Verletzung des Urheberrechts und anderer Vergehen verhaftet worden und werden vermutlich für einige Jahre außer Gefecht gesetzt sein.

via MegaUpload: Steckt die Musikindustrie hinter der Schließung? » t3n News.

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