Sicherheitskonzern geht nach Vorwürfen auf Distanz: Kimvestor bringt den TÜV in Erklärungsnot – Handelsblatt

Kimvestor bringt den TÜV in Erklärungsnot

Das Netz, das sich zwischen dem TÜV Rheinland/Berlin Brandenburg, seiner Tochter TÜV Data Protect GmbH und den Unternehmungen um den früheren Computerhacker Kim Schmitz spannt, ist schwer zu durchschauen. Mit lautstarker Publicity um die Rettung der Internetfirma Letsbuyit hat Schmitz jetzt den TÜV aufgeschreckt. Der Konzern, der mit 7 000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von mehr als 1,2 Mrd. DM erzielt, hat Angst um sein Image und will gegen Schmitz vorgehen.

jgo DÜSSELDORF. Der TÜV Rheinland Berlin will seine Verbindungen zu Kim Schmitz, dem selbst erklärten Retter der Einkaufsplattform Letsbuyit, kappen. Bislang residiert die TÜV Data Protect, eine 100%ige Tochter der TÜV Secure IT, noch unter der selben Adresse wie die Data Protect GmbH, die Kim Schmitz zur Kimvestor AG umwandeln will. Mitarbeiter des TÜV-Unternehmens müssen derzeit nicht nur Sekretariatsaufgaben für Data Protect und die Kimvestor AG übernehmen, sondern auch Anfragen zu der Tochterfirma Monkey AG entgegennehmen, die zum Portfolio der Kimvestor gehört. Bislang störte das den TÜV offenbar wenig.

Der TÜV befürchtet nun aber, in Negativ-Schlagzeilen verwickelt zu werden und will daher zum 14. Februar ein neues Quartier beziehen. „Alles, was sich um Herrn Schmitz rankt, ist, gelinde gesagt, etwas dubios“, sagte Pressesprecher Tobias Kirchhoff im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Wir sind nicht sehr glücklich über die Vorgänge, das ist durchaus nicht geschäftsfördernd.“ Kirchhoff sprach von einer sehr plötzlichen Entwicklung, die durch die Presseberichte eskaliert sei. „Wir müssen uns Schritte überlegen, wie wir uns schützen können.“ Nach seinen Worten sind die Verbindungen zu Kim Schmitz nie sehr eng gewesen. Zwar habe man von Data Protect die Mehrheit an dem Unternehmenszweig Data Protect Consulting und die meisten Mitarbeiter übernommen, aber es gebe keine Verbindung zur Kimvestor, zu Dataprotect oder zu den Unternehmen Megacar und Monkey AG, an denen neben Schmitz auch der börsennotierte Risikokapitalgeber bmp beteiligt ist.

Auch bmp-Pressesprecher Thomas Blees sagte Handelsblatt.com, es gebe zur Kimvestor AG keine direkten geschäftlichen Beziehungen. Das Beteiligungsunternehemn habe im Zuge der Übernahme der Data Protect Consulting durch den TÜV seine Anteile an der Data Protect gegen Anteile an der Monkey AG – bmp halte an diesem Unternehmen 35 Prozent der Anteile – und Megacar – hier liege die Beteiligungshöhe bei 25 Prozent – getauscht. „Monkey wurde gerade deshalb ausgegliedert, um Herrn Schmitz aus dem operativen Geschäft fernzuhalten“, sagte Blees. Das Unternehmen sehe die Beteiligung nach wie vor als interessant an.

Der TÜV gibt sich zufrieden

Nach Kirchhoffs Worten hat sich der Kauf des Unternehmenszweigs im vergangenen Jahr für den TÜV gelohnt. Man habe sich auf diesem Wege Zugang zu „fundiertem Netzwerk-Know-how“ verschafft. Alle Mitarbeiter seien Vollzeit für den TÜV tätig, und etwas Anderes komme auch nicht in Frage. Wer in den Räumen von TÜV Data Protect und Data Protect/Kimvestor an der Weiterentwicklung der Monkey AG arbeite, könne er nicht sagen. Anrufer, die sich über die Monkey AG informieren wollen, landen zurzeit allerdings bei der TÜV-Tochter. Kirchhoffs Auffassung nach war das in der Vergangenheit nie ein Problem: „Die Anrufe waren nie so zahlreich.“ Wie viel der TÜV im vergangenen Jahr für die Anteile an dem heute unter dem Namen TÜV Data Protect firmierenden Unternehmen bezahlt hat, wollte Kirchhoff nicht sagen. Seinen Angaben nach beschäftigt das Unternehmen in München und Köln insgesamt 35 Mitarbeiter.

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