Raubkopien: Staatsanwaltschaft prüft Klagen gegen Kino.to-Nutzer – SPIEGEL ONLINE

Staatsanwaltschaft prüft Klagen gegen Kino.to-Nutzer

Streamingportal kino.to: Wer gezahlt hat, könnte Ärger bekommen

Wer für einen Premium-Zugang zu einem der bei Kino.to verlinkten Filehoster gezahlt hat, könnte rechtlichen Ärger bekommen: Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft, ob sich die Nutzer strafbar gemacht haben.

Hamburg – Die Betreiber des von der Polizei geschlossenen Raubkopie-Verzeichnisses Kino.to haben Geld verdient, indem sie Gebühren für einen werbefreien Zugang zu den Kinofilmen und Serien erhoben haben – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Nach Ansicht der Behörde gehörten die Filehoster zu Kino.to.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden will nun gegen einige dieser zahlenden Kunden vorgehen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des „Focus“. Die Fahnder haben demnach Tausende Daten von zahlenden Nutzern auf den beschlagnahmten Servern sicherstellen können. Den werbefreien Zugang erkauften sich die Nutzer demnach über den Online-Zahldienst PayPal.

Nun wird nach Angaben von Klein in Einzelfällen geprüft, inwiefern sich die „Großabnehmer“ strafbar gemacht haben. Ermittlern hätten in vielen Fällen feststellen können, welche Nutzer sich welche Filme oder Serien wie oft angeschaut haben. Die Kino.to-Betreiber hatten vor der Beschlagnahmung behauptet, sie würden keine detaillierten Nutzungsprotokolle aufzeichnen.

„Wir wollen nicht die gesamte Nutzerschaft von kino.to kriminalisieren“, sagte Klein. Man habe nur kino.to vom Markt nehmen und die Täterseite anzeigen wollen. Das sei gelungen. Vier Täter sind verurteilt, zwei Anklagen wurden bereits erhoben, weitere Beschuldigte sitzen derzeit noch in Untersuchungshaft. Als Staatsanwaltschaft habe man aber den Auftrag, Verdachtsfällen nachzugehen. Dies geschehe nun, man prüfe dabei auch die Verhältnismäßigkeit.

In einem der Verfahren hatte ein Richter die Ansicht geäußert, dass schon das Ansehen eines illegalen Streams strafbar sei. Eine Rechtsauffassung, die unter Experten umstritten ist. Oberstaatsanwalt Klein warnt trotzdem: „In Zukunft können Nutzer von illegalen Streams nicht mehr mit Kulanz rechnen.“

Bisher hatte es aus der Behörde geheißen, die Staatsanwaltschaft habe kaum die Kapazitäten, um in Tausenden Fälle gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Nun sollen die zahlenden Nutzer offenbar belangt werden, weil sie mit ihren Geldbeiträgen den Betrieb der Infrastruktur mitfinanziert haben – der Straftatbestand könnte also auf Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung lauten.

Mehrere der im Jahr 2011 verhafteten Betreiber von Kino.to wurden mittlerweile zu Haftstrafen verurteilt.

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Nach Megaupload-Razzia: Veränderungen der Filesharing-Landschaft – COMPUTER BILD

Nach Megaupload-Razzia: Wie sich die Filesharing-Landschaft verändert hat

Im Technik-Blog eines Unternehmens, das sich auf Problemlösungen für Cloud-Computing spezialisiert hat, erklärt Autor Craig Labovit die Veränderungen der Datenübertragung im Internet seit der Megaupload-Razzia.

Die Megaupload-Schließung verändert den Filesharing-Verkehr im Internet.

Am 18. Januar 2012 kollabierte der globale Filesharing-Verkehr im Internet: Bei einer Razzia wurde die Megaupload-Webseite geschlossen, deren Betreiber kamen in Haft. Bis zu dem Tag war Megaupload einer der größten Filesharing-Dienste: 30 bis 40 Prozent des Filesharing-Aufkommens im Internet gingen auf das Konto dieser Webseite. Innerhalb einer Stunde nach der Razzia brach der globale Internet-Verkehr um zwei bis drei Prozent ein.

Labovit erklärt in seinem Blogeintrag die Ergebnisse einer mehrmonatigen Studie über den globalen Filsharing-Verkehr. Er schreibt, Filesharing-Seiten, die auf die Verteilung von urheberrechtlich geschütztem Material ausgerichtet sind, seien anhand bestimmter Muster von anderen Webseiten (mit legalen Inhalten) zu unterscheiden. Besonders interessant sei die Infrastruktur, die hinter den Filesharing-Webseiten steht. Sie besteht aus einem Netz von Hosts, Bezahl-Partnern und Serverhousing. Gemeinhin wird angenommen, dass Filesharing über das gesamte Internet ausgebreitet und verstreut ist, dem ist aber nicht so: Nur sechs Serverhousing-Provider stellen die Infrastruktur für Hunderte von Filesharing-Seiten, die 80 Prozent des Filesharing-Verkehrs ausmachen.

Die beiden Grafiken von Labovit zeigen den Filesharing-Verkehr in Nordamerika kurz vor der Megaupload-Razzia (am 18. Januar 2012) und kurz danach (19. Januar 2012). Die Verbindungslinien sind in ihrer Breite proportional zu den Datentranfers. Der Verkehr zu den Filesharing-Webseiten ist grün eingefärbt, Verkehr zu Serverhousing- und Hosting-Providern rot.

Auffällig ist, dass Megavideo am 18. Januar mit 34 Prozent noch mit Abstand den meisten Datenverkehr produzierte. Die zweite Grafik zeigt, dass die Schließung von Megaupload vor allem zu einer Umverteilung des Filesharing-Verkehrs führte. Der Filesharing-Verkehr in Nordamerika ist nicht verschwunden – er ist nicht mal besonders stark zurückgegangen, sondern hauptsächlich wesentlich ineffektiver geworden: Wo sonst Nutzer in Nordamerika Daten von US-Servern abriefen, kommt nun der größte Anteil des Filesharing-Verkehrs aus Europa über wesentlich teurere transatlantische Verbindungen.

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Nach Megaupload-Razzia: Die Hydra ist verstört – taz.de

Nach Megaupload-Razzia

Die Hydra ist verstört

Nach der Schließung von Megaupload und der Festnahme von Kim Schmitz verstümmeln sich andere Tauschbörsen – in vorauseilendem Gehorsam.

Ja, es ist Panik: Fieberhaft bauen One-Klick-Hoster ihre Dienste um, beschränken dessen Funktionen und Austauschmöglichkeiten. Vorauseilender Gehorsam – um dem Schicksal zu entgehen, das Megaupload und seinen Betreiber Kim Schmitz ereilte: Der Dienst wurde vom Netz genommen und sein Macher landete in Haft.

Seitdem versuchen viele Konkurrenzdienste jeglichen Verdacht, sie würden zum illegalen Datentausch animieren, zu zerstreuen. In der Hoffnung, sie mögen dem langen Arm der US-Ermittlungsbehörden entgehen.

Interessant für die Unterhaltungsindustrie. Denn mit freundlicher Unterstützung der US-Ermittler hat sie offenbar jetzt endlich ein Kraut gegen das internationale Datenverteilungshandwerk im Netz gefunden: Strafverfolgung quer über den Globus.

Juristisch und politisch war die Urheberrechtslobby mit ihrem Anti-Piraterie-Kreuzzug weitgehend glücklos: 2008 schafften sie zwar, dass die Jungs von der Bittorrent-Seite Pirate Bay vor Gericht verurteilt wurden – lieferten ihnen aber eine Bühne, um den Hollywood-Mächtigen auf der Nase herumzutanzen. Und neue Anti-Piraterie-Abkommen und -Gesetze durchzupeitschen war gar nicht so stressfrei: Gab es doch stets ein paar Netzaktivisten, die sofort Gegenwehr mobilisierten.

Bislang galt die Filesharing-Szene als Hydra: Egal wie viele Dienste Behörden dicht machten, es wuchsen immer neue nach. Doch nun haben die Unterhaltungsindustriellen einen Teilerfolg: Megaupload, einer der dicksten Köpfe der Hydra, liegt zuckend am Boden – und die anderen ducken sich erst mal.

via Nach Megaupload-Razzia: Die Hydra ist verstört – taz.de.